Politik

Und so präsentieren sich die Nazibesucher vom Rock gegen Überfremdung bei Instagram

Im beschaulichen Themar, einer Kleinstadt in Thüringen, hat am vergangenen Wochenende eines der größten Rechtsrock-Konzerte Deutschlands stattgefunden. Rund 6000 Besucher und 1000 Polizisten kamen zusammen, um u.a. Stahlgewitter, der Lunikoff Verschwörung und Sleipnir zu lauschen. Diese Bands sind dem eher menschenfeindlichen bis faschistischen Spektrum zuzurechnen und haben in der Vergangenheit immer wieder zur Jagd auf Migranten, Schwule, Andere aufgerufen. Auch die Verharmlosung des Holocausts gehört zum Standardrepertoire, daher sind einige der Songs in Deutschland verboten. Während des Konzerts kam es dann auch zu „Frei! Sozial! Und National!“-Sprechchören, es wurde eifrig abgeheilt und zu später Stunde gemeinsam „Heil Hitler“ gebrüllt.

mehr...
Politik

Die FAZ über G20 – Fakenews für die radikale Mitte

Auf das Ereignis folgt die Einordnung, das ist auch im Nachgang des G20-Gipfels so. Vor allem die Ausschreitungen lassen den deutschen Bürger und große Teile der Medien schäumen. Von Bürgerkriegsverhältnissen über „Reichskristallnacht“-Vergleiche bis zum Holocaust reicht die Palette, besonders die FAZ hat sich in ihrer Berichterstattung mit extra alarmistischen Schoten hervorgetan, das absolute Highlight ist aber der Artikel Wer in Hamburg wirklich versagt hat von Mathias Müller von Blumencron, dem „Chefredakteur digitale Produkte“. Was dessen Expertise bei der Einordnung des G20 und den Protesten ist, bleibt unklar, aber vielleicht ist sein Name bei der Redaktionskonferenz im Rahmen der Kommentartombola gezogen worden und da hat er einfach mal ganz viele Sachen, die völliger Quatsch sind runtergeschrieben. Hier sind beispielhaft die ersten Sätze seziert, der Text geht auf diesem Niveau immer so weiter bis er in der obligatorischen Links-Rechts-Gleichsetzerei in Kombination mit der unvermeidlichen Pathologisierung endet: „Wer so redet, ist mit Argumenten für die gegenwärtige Verfasstheit der westlichen Welt nicht mehr zu erreichen.“
Journalistisch bewegt sich dieser Kommentar schon fast auf dem Niveau von Fakenews, die empörungsgeleitete Boulevardisierung von Ereignissen ist offenbar endgültig bei der FAZ angekommen:

mehr...
DIESDAS  Politik

So war es auf der Friedenskonferenz der Guerilla FARC in Kolumbien

Der 2. Oktober 2016 sollte in Kolumbien eigentlich ein historisches Datum werden. An diesem Tag fand ein landesweites Referendum über das Friedensabkommen mit der Guerillagruppe FARC statt. Doch dazu kam es nicht, denn es wurden mehr NEIN-Stimmen abgegeben. Damit hatte die FARC nicht gerechnet: Eine Woche vorher veranstaltete die älteste Guerilla Lateinamerikas in ihrem Kernland, den Llanos de Yarí tief im kolumbianischen Amazonas-Dschungel, ihre erste öffentliche Konferenz. Unser Autor Stefan Krauth war dabei.

mehr...
Politik

Der 1. Mai in Kreuzberg war ein Elend, Zeit mal Pause zu machen und sich neu zu erfinden!

Einen Tag vor dem 1. Mai hatte ich mittags noch beim ehrenhaften Pufferimbiss am Hermannplatz einen Eierpfannekuchen gegessen und war dabei mit einem älteren Herren aus dem Kiez ins Gespräch gekommen, der meiner Einschätzung nach, weder mit linker Politik noch mit der Gewinnerseite des Neoliberalismus‘ sonderlich viel zu tun hat. Nachdem wir uns gemeinsam über die Preise auf den Maientagen (Karussellfahrt 4 Euro) aufgeregt und die Wetteraussichten (schlecht) durchgekaut hatten, kam er kurz und knackig auf die Historie des folgenden Kreuzberger Feiertags zu sprechen: 

mehr...
Kunst  Politik

Hört zu, wenn der Bürgermeister der Kunst predigt!

Am 28.1. fand der dritte Teil unserer Reihe Berlin Rebel City in Form der Ausstellung „Belong Anywhere“ statt. In einer angeblichen AirBnB-Wohnung haben wir Kunst gezeigt. Anschließend ging es mit dem UBER-Bus ins Acud macht neu, wo die Aftershow-Party stattfand. Dort hielt Florian Hesselbarth eine packende Rede, die für viel Applaus oder pikierte Blicke sorgte. Der Bürgermeister der Kunst sprach die heißen Eisen an. Das Highlight des Abends wollen wir Euch nicht vorenthalten:

mehr...
Politik

Fremdscham Galore: Shahak Shapira hat Kollegahs offenem Antisemitismus nichts entgegenzusetzen

Wütender werden wir heute nicht. Zwei medienerfahrene Autoren lassen sich auf Initiative von Jan Böhmermann im stinkenden Backstage des Tempodroms auf klapprige Stühle setzen und erklären erst mal ohne Sinn vor Kollegahs Kamera, dass der Rapper kein Antisemit ist und die Schuld für dieses „Missverständnis“ wahrscheinlich beim Zentralrat der Juden liegt. Sie stottern rum bzw. reagieren einfach gar nicht auf Aussagen wie „Die einzige Ethnie die sich immer in diese Opferrolle setzt, seid ihr!“ oder sie lassen sich von Kolle erklären, dass sein Rap ja eine Kunstform sein muss, weil auch Studenten seine Mucke hören. (Geiles Argument!) Kat Kaufmann hat die Doku, um die es in der Diskussion gehen soll, nicht gesehen und Shahak Shapira schwimmt schwammig herum, meilenweit entfernt von der Form, die er in seinen Texten manchmal durchblicken lässt. Man weiss auch gar nicht was man beschissener findet: Kollegahs Geschwätz über „Juden und Ethnien“ oder die dümmlichen Versuche von Shapira Rap zu diskreditieren. Mediatoren sind 5-6 Pumper aus dem Hause Kollegah und ein Typ namens Ali As der sich als IQ-Rassist bezeichnet und glücklicherweise selten ausreden darf. Wir haben das Ganze dann auch nur 15 Minuten ausgehalten:

mehr...
Politik

BELONG ANYWHERE

Titelbild: Martin Petersen

WELCOME HOME

Belong anywhere. Die Tagline von AirBnB verspricht, dass dessen Nutzer überall auf der Welt zu Hause sein können. Berlin, Beirut, Beijing: AirBnB-Kunden bereisen diese Städte nicht mehr als Touristen sondern erwerben das Erlebnis des temporären Dazugehörens zu einem Ort. Dabei stellt sich das anywhere zunehmend als global homogenisierter Nicht-Ort dar. Egal wohin man reist, AirBnB war schon da und kodiert die ästhetische Erfahrung urbaner Räume als eine serielle Abfolge gut ausgeleuchtet fotografierter und mit minimalistischen Designklassikern eingerichteter Wohnungen in begehrten Bezirken mit den immer gleichen Craft Beer Pubs und Cold Brew Kaffee-Bars. Midcentury modern, subway tiles, Edison bulbs. Die postindustrielle Stadt romantisiert die Artefakte der industriellen Moderne.

mehr...
Politik

Freundinnen und Freunde des Conne Islands: Ein anderer Text wäre möglich gewesen

Als “Tugendfuror” empfand Bundespräsident Joachim Gauck die letzte große Sexismus-Debatte. Der Hashtag #aufschrei hatte eine Lawine aus Tweets von Frauen über sexistische Übergriffe und Bemerkungen ausgelöst. Man war sich aber im Deutschland 2013 nicht sicher, ob die Beurteilung der Frage: Heißer Flirt oder Sexismus nicht zu sehr von persönlichen Befindlichkeiten der Frauen abhänge. Man stelle sich nur vor, Laura Himmelreich hätte George Clooney und nicht Rainer Brüderle getroffen! Ein im Nachgang der Debatte erschienener Bestseller hieß: “Dann mach doch die Bluse zu!” Ex-Familienministerin Kristina Schröder sagte dem Antisexismus den Kampf an und schrieb: „Man darf die Warnung vor der Degradierung der Frau zum Objekt männlicher Sexualität wohl getrost vor allem als raffinierte Form feministischer Herrschaftssicherung im öffentlichen Diskurs interpretieren.” Österreich war 2015 über die Frage gespalten, warum man Frauen nicht oder völlig zu Recht an den Po grabschen darf. „Wer nicht versteht, was in Deutschland Sexismus bedeutet, versteht auch nicht, warum er die Party verlassen muss”, sagt das Conne Island drei Jahre später.

Und alle so: Ja genau!

mehr...
Politik

Von der [Traum-]Insel in die Realität? – Kommentar zum Conne Island

Bild: Zigzagnation/Creative Commons/via

VON MARCUS ADLER

Ende der letzten Woche veröffentlichte das Conne Island ein Statement, das die Zunahme von sexuellen Übergriffen und sexistischen/homophoben Beleidigungen gegenüber FLTI* Personen auf hauseigenen Partys und Veranstaltungen fokussierte. Die Wahl des öffentlichen Mediums, mit der eine breitere Sensibilisierung und Auseinandersetzung mit sexistischen und homophoben Verhaltensmustern seitens vor allem männlicher Besucher_innen in Gruppen erreicht werden sollte, schlägt seitdem in das genaue Gegenteil um. Dies ist für die gewünschte und wichtige Debatte fatal. Wenn Verzweiflung auf Resignation trifft, sind zumeist der Irrationalität sämtliche Türen geöffnet.

mehr...