Früher war vielleicht doch einiges besser oder warum Leipzig nicht das neue Berlin ist

Es ist müßig bis öde sich als mittelalter Mensch an eine zurückliegende Zeit zu erinnern und das verklärte Früher mit dem Heute abzugleichen, nur um dann zu dem Schluss zu kommen, dass damals alles besser war. Vor allem „niemand bei Verstand“ tut das, wie die neoliberale „Urbanistin“ Ulrike Heringer erkannt zu haben meint. Schon als ich 2002 zum Studieren nach Berlin gezogen war, haben mich Menschen, die bereits fünf bis zehn Jahre im dortigen Nachtleben unterwegs gewesen waren, immer hart genervt mit ihrem Gerede davon, wie gut doch alles mal war – früher. Vor allem retrospektiv betrachtet kann man ihre Worte als völligen Unsinn entlarven, denn zu dieser Zeit begann in Berlin nicht weniger als die Renaissance der heute omnipräsenten, damals bis auf Ausnahmen eher verpönten Techno- und Clubkultur, die sich aktuell in der komplett durchkapitalisierten Form als EDM bezeichnet und elektronische Tanzmusik meint. Wie auch immer: Eine Wiedergeburt ist am End fast so gut wie eine Geburt und hundert Mal besser als die Zeit dazwischen.

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DIESDAS  Politik

So war es auf der Friedenskonferenz der Guerilla FARC in Kolumbien

Der 2. Oktober 2016 sollte in Kolumbien eigentlich ein historisches Datum werden. An diesem Tag fand ein landesweites Referendum über das Friedensabkommen mit der Guerillagruppe FARC statt. Doch dazu kam es nicht, denn es wurden mehr NEIN-Stimmen abgegeben. Damit hatte die FARC nicht gerechnet: Eine Woche vorher veranstaltete die älteste Guerilla Lateinamerikas in ihrem Kernland, den Llanos de Yarí tief im kolumbianischen Amazonas-Dschungel, ihre erste öffentliche Konferenz. Unser Autor Stefan Kraut war dabei.

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Politik

Der 1. Mai in Kreuzberg war ein Elend, Zeit mal Pause zu machen und sich neu zu erfinden!

Einen Tag vor dem 1. Mai hatte ich mittags noch beim ehrenhaften Pufferimbiss am Hermannplatz einen Eierpfannekuchen gegessen und war dabei mit einem älteren Herren aus dem Kiez ins Gespräch gekommen, der meiner Einschätzung nach, weder mit linker Politik noch mit der Gewinnerseite des Neoliberalismus‘ sonderlich viel zu tun hat. Nachdem wir uns gemeinsam über die Preise auf den Maientagen (Karussellfahrt 4 Euro) aufgeregt und die Wetteraussichten (schlecht) durchgekaut hatten, kam er kurz und knackig auf die Historie des folgenden Kreuzberger Feiertags zu sprechen: 

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Kunst  Politik

Hört zu, wenn der Bürgermeister der Kunst predigt!

Am 28.1. fand der dritte Teil unserer Reihe Berlin Rebel City in Form der Ausstellung „Belong Anywhere“ statt. In einer angeblichen AirBnB-Wohnung haben wir Kunst gezeigt. Anschließend ging es mit dem UBER-Bus ins Acud macht neu, wo die Aftershow-Party stattfand. Dort hielt Florian Hesselbarth eine packende Rede, die für viel Applaus oder pikierte Blicke sorgte. Der Bürgermeister der Kunst sprach die heißen Eisen an. Das Highlight des Abends wollen wir Euch nicht vorenthalten:

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Politik

Fremdscham Galore: Shahak Shapira hat Kollegahs offenem Antisemitismus nichts entgegenzusetzen

Wütender werden wir heute nicht. Zwei medienerfahrene Autoren lassen sich auf Initiative von Jan Böhmermann im stinkenden Backstage des Tempodroms auf klapprige Stühle setzen und erklären erst mal ohne Sinn vor Kollegahs Kamera, dass der Rapper kein Antisemit ist und die Schuld für dieses „Missverständnis“ wahrscheinlich beim Zentralrat der Juden liegt. Sie stottern rum bzw. reagieren einfach gar nicht auf Aussagen wie „Die einzige Ethnie die sich immer in diese Opferrolle setzt, seid ihr!“ oder sie lassen sich von Kolle erklären, dass sein Rap ja eine Kunstform sein muss, weil auch Studenten seine Mucke hören. (Geiles Argument!) Kat Kaufmann hat die Doku, um die es in der Diskussion gehen soll, nicht gesehen und Shahak Shapira schwimmt schwammig herum, meilenweit entfernt von der Form, die er in seinen Texten manchmal durchblicken lässt. Man weiss auch gar nicht was man beschissener findet: Kollegahs Geschwätz über „Juden und Ethnien“ oder die dümmlichen Versuche von Shapira Rap zu diskreditieren. Mediatoren sind 5-6 Pumper aus dem Hause Kollegah und ein Typ namens Ali As der sich als IQ-Rassist bezeichnet und glücklicherweise selten ausreden darf. Wir haben das Ganze dann auch nur 15 Minuten ausgehalten:

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DIESDAS

BLOB, die Webserie – Ab 22. Februar bei HATE

Wir freuen uns Euch ab dem 22. Februar alle 14 Tage BLOB zu zeigen! Die Sci-Fi Webserie von Alexander Nowak ist angelehnt an The Blob von 1958 bzw. das Remake von 1988. Darin landet eine gallertartige Substanz aus dem All durch einen Meteroiteneinschlag auf unserem Planeten und schleimt im Sinne des eigenen Wachstum alles in sich rein. In der 2017er Version von BLOB erreicht ein Fischer, auf der Suche nach den Gründen für das plötzliche Verschwinden seines Heimatplanetens, seiner Freunde und Familie, aus einer anderen Galaxie die Erde. Begleitet wird er von einem Hamster, der das Raumschiff als Navigator steuert. Zur gleichen Zeit hat sich dunkle Materie auf der Rückbank eines Twingos in Form zweier seltsamen Kreaturen materialisiert. Sie haben den gemeinen Plan, die Zerstörung des Universums zu vollenden. Die Rahmenhandlung wird immer mal wieder von unterschiedlichen Nebensträngen unterbrochen, so taucht z.B. der Jersey Weather Man auf. Er wohnt in einem Keller und sagt von dort das Wetter für Jersey City voraus. Bis jetzt gibt es sechs Episoden, es könnten aber noch mehr werden.. Hier seht Ihr den Trailer, freut Euch auf die erste Folge:

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Politik

BELONG ANYWHERE

Titelbild: Martin Petersen

WELCOME HOME

Belong anywhere. Die Tagline von AirBnB verspricht, dass dessen Nutzer überall auf der Welt zu Hause sein können. Berlin, Beirut, Beijing: AirBnB-Kunden bereisen diese Städte nicht mehr als Touristen sondern erwerben das Erlebnis des temporären Dazugehörens zu einem Ort. Dabei stellt sich das anywhere zunehmend als global homogenisierter Nicht-Ort dar. Egal wohin man reist, AirBnB war schon da und kodiert die ästhetische Erfahrung urbaner Räume als eine serielle Abfolge gut ausgeleuchtet fotografierter und mit minimalistischen Designklassikern eingerichteter Wohnungen in begehrten Bezirken mit den immer gleichen Craft Beer Pubs und Cold Brew Kaffee-Bars. Midcentury modern, subway tiles, Edison bulbs. Die postindustrielle Stadt romantisiert die Artefakte der industriellen Moderne.

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DIESDAS

Unser Unwort des Jahres: Hatespeech

Bild: Flickr/Foto: K-Screen Shots/Creative Commons/Lizenz: CC BY 2.0/via

Am 10. Januar 2017 wurde das Unwort des Jahres bekannt gegeben. Es lautet: Volksverräter. Gähnt ihr schon? Ja, wir auch! Warum nicht mal ein wirkliches Unwort wählen, also eines das so richtig Scheiße ist, aber in gefühlt keiner Debatte im letzten Jahr fehlen durfte? Das wäre doch mal was gewesen! Wir haben deswegen einen Vorschlag für Dich, liebe Jury, warum nicht Hatespeech* wählen? Ein beschisseneres Wort hat es im letzten Jahr, mit Verlaub, nicht gegeben.

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DIESDAS

Von der Utopie zur Bausünde: Filmvorführung „Palast“ & Diskussion über den sozialen Wohnungsbau in Berlin

Vorführung des Dokumentarfilms Palast über den Sozialpalast in der Pallasstraße und Gespräch mit dem Regisseur Julian Vogel

Ein alter Mann will die Frau erobern, die seine Wohnung reinigt.
Ein Architekt wollte an das Gute im Menschen glauben.
Eine Mutter liebt ihren Sohn, auch wenn er ins Gefängnis muss.
Ein Junge teilt ein Zimmer mit seinen Eltern.
Ein Bauherr wollte leicht und schnell finanzieren.
Wo einst im Sportpalast ein Max Schmeling kämpfte und ein Goebbels den totalen Krieg forderte, steht heute eine der größten Wohnanlagen Deutschlands. Fünfhundertvierzehn Wohnungen, über zweitausend Bewohner. Modernes Wohnen. Lange als “Sozialpalast” bekannt, begleiteten Kriminalität, Vandalismus und Drogen seinen Ruf.

Viele Blicke auf einen Ort. Damals und heute, Planer und Bewohner, eine gescheiterte Utopie, eine Maschine zum Wohnen. Ein Film über Zeit und Zufall.

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Politik

Freundinnen und Freunde des Conne Islands: Ein anderer Text wäre möglich gewesen

Als “Tugendfuror” empfand Bundespräsident Joachim Gauck die letzte große Sexismus-Debatte. Der Hashtag #aufschrei hatte eine Lawine aus Tweets von Frauen über sexistische Übergriffe und Bemerkungen ausgelöst. Man war sich aber im Deutschland 2013 nicht sicher, ob die Beurteilung der Frage: Heißer Flirt oder Sexismus nicht zu sehr von persönlichen Befindlichkeiten der Frauen abhänge. Man stelle sich nur vor, Laura Himmelreich hätte George Clooney und nicht Rainer Brüderle getroffen! Ein im Nachgang der Debatte erschienener Bestseller hieß: “Dann mach doch die Bluse zu!” Ex-Familienministerin Kristina Schröder sagte dem Antisexismus den Kampf an und schrieb: „Man darf die Warnung vor der Degradierung der Frau zum Objekt männlicher Sexualität wohl getrost vor allem als raffinierte Form feministischer Herrschaftssicherung im öffentlichen Diskurs interpretieren.” Österreich war 2015 über die Frage gespalten, warum man Frauen nicht oder völlig zu Recht an den Po grabschen darf. „Wer nicht versteht, was in Deutschland Sexismus bedeutet, versteht auch nicht, warum er die Party verlassen muss”, sagt das Conne Island drei Jahre später.

Und alle so: Ja genau!

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DIESDAS

Imagekampagne für eine Bananenrepublik – Säxit only!

Sachsen hat ein Image-Problem. Gebeutelt von PEGIDA, gestraft mit einer Polizei, die sich seit Jahren durch kaum verhohlene Nähe zu Rechtsextremen hervortut und dem rechten Mob am Tag der Deutschen Einheit öffentlich “Viel Erfolg“ wünscht, mit einem Innenminister in der Regierung, der mehr Skandale überstanden hat als George Michael und einem Verfassungsschutz, der jüngst einen Brandbrief an sämtliche Schulen schickte, in dem eindringlich davor gewarnt wurde, an einer antirassistischen Schülerdemonstration teilzunehmen. Und das ist nur ein kleiner Auszug der jüngsten Ereignisse.

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Politik

Von der [Traum-]Insel in die Realität? – Kommentar zum Conne Island

Bild: Zigzagnation/Creative Commons/via

VON MARCUS ADLER

Ende der letzten Woche veröffentlichte das Conne Island ein Statement, das die Zunahme von sexuellen Übergriffen und sexistischen/homophoben Beleidigungen gegenüber FLTI* Personen auf hauseigenen Partys und Veranstaltungen fokussierte. Die Wahl des öffentlichen Mediums, mit der eine breitere Sensibilisierung und Auseinandersetzung mit sexistischen und homophoben Verhaltensmustern seitens vor allem männlicher Besucher_innen in Gruppen erreicht werden sollte, schlägt seitdem in das genaue Gegenteil um. Dies ist für die gewünschte und wichtige Debatte fatal. Wenn Verzweiflung auf Resignation trifft, sind zumeist der Irrationalität sämtliche Türen geöffnet.

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Politik

Das Berghain empfiehlt: Geht am Sonntag wählen! Wir empfehlen: Geht am Sonntag raven!!!

Man kann das Internet diese Woche nicht aufmachen, ohne dass einem irgendwo entgegen springt, man solle in Berlin am Sonntag wählen. Weil am Sonntag der Weltuntergang droht! Habt ihr noch nicht gehört? Am Sonntag zieht die AfD wahrscheinlicher ins Berliner Landesparlament ein!!!1!!1!!

Halbwegs denkbegabte Menschen wissen zwar, dass wählen gerade mal gar nichts bringt, aber so richtig flächendeckend hat sich das scheinbar nicht rumgesprochen. Daher noch mal: Wählen ändert gar nix und selbst Superfatalisten, die das „kleinere Übel“ wählen, liegen falsch. Denn das kleinere Übel gibt es nicht. Wer sollte das auch sein?

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Politik

„Was fehlt, ist eine wirklich linke Position“

Foto: Montecruz Foto/Creative Commons/Flickr/via

Blockupy meldet sich zurück und ruft auf, am Freitagmorgen das Arbeitsministerium zu blockieren. Wir haben uns mit einer Aktivistin des linksradikalen Bündnis getroffen.

HATE: Ihr wollt am Freitag ab 7:30 Uhr morgens das Arbeitsministerium in Berlin blockieren. Warum sollte irgendjemand so früh aufstehen und da mitmachen?

Blockupy: Um das zu beantworten, reicht doch ein Blick in die Zeitung. In den letzten Monaten ging es dort vor allem um den Brexit, die AfD, den Rechtsruck, die sogenannte Flüchtlingskrise und wachsende Armut. Meistens kommen dort nur zwei verschiedene Meinungen vor. Es gibt eine rechte Opposition, die sagt, dass es nicht genug Abschottung gibt, dass Flüchtlinge zu gut behandelt werden. Demgegenüber steht ein Block, den ich neoliberal-technokratisches Lager nennen würde, das von den Grünen bis Merkel reicht. Die stehen für zwar für ein gewisses Maß an Offenheit, verteidigen diese aber für den Preis der sozialen Ungleichheit. Was fehlt, ist eine wirklich linke Position und die wollen wir aufzeigen.

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Kunst

HATE empfiehlt die Ausstellung GABBER NATION

Bei Gabber denken immer alle gleich an Rotterdam. Das ist zwar richtig, aber die harte Technoversion gab es nicht nur in niederländischen Städten, sondern auch in der friesischen Provinz. Und genau dorthin hat es unsere Freundin, die Künstlerin Henrike Naumann verschlagen, die sich die friesische Gabber-Kultur mal genauer angeschaut hat.

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DIESDAS

„Und deswegen haben wir gesagt: Das wollen wir nicht.“

Bild: Screenshot via Youtube

Karl-Heinz Dellwo nahm an den Hausbesetzungen Anfang der 70er in der Hamburger Ekhofstraße teil, schloss sich Anfang der 70er dem bewaffneten Kampf der RAF an, musste als Folge Ende der 70er eine lange Haftstrafe antreten und gründete nach seiner Entlassung unter anderem den Laika Verlag. Man kann Dellwo getrost als den klarsten und brillantesten Denker der Gruppe bezeichnen, der sich von der gewalttätigen Vergangenheit, im Kontext des Scheiterns der RAF, ausdrücklich distanziert hat, dabei jedoch nie die notwendige Überwindung der Verhältnisse in Frage stellte und stellt, wie das sehenswerte Interview von Michael Krons beweist:

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