Page 1
hate_rebelcity_webflyer
Standard

HATE fragt: „Warum gibt es in Berlin eigentlich keine Protestbewegung“

Die Kacke ist am Dampfen – und zwar nicht erst seit Donald Trump Präsident zum Präsident gewählt wurde. Die Kacke dampft schon eine ganze Weil und zwar gewaltig: wachsende Armut, steigende Mieten, sinkende Löhne, geschlossene Grenzen, soziale Kälte. Wenn man nicht direkt betroffen ist, kann man es doch zumindest überall spüren und sehen. Aber was kann man machen? Und warum fällt es uns so schwer, Menschen, die zumindest eine ähnliche Sicht auf die Verhältnisse haben, in einer wirkmächtigen Bewegung zu vereinen?

Denn eigentlich ist Berlin nicht gerade arm an widerständigen Strukturen: Die linke Szene aus anderen Ländern schaut neidisch auf die Vielzahl der Hausprojekte, die auch heute noch über die Stadt verteilt sind. Fast jeden Tag gibt es etliche Veranstaltungen, Voküs (Küfas), Demos und Aktionen, zu denen man als halbwegs interessierter Mensch eigentlich gehen müsste. Doch jedes Mal scheint das Interesse an einem temporär strahlkräftigen Thema nach einer gewissen Zeit abzuflauen, dass nur ein Kern weniger Leute kommt.

Dabei gibt es genug Inhaltliche Anknüpfungspunkte: Berlin ist ein Musterbeispiel für fehlgeleitete Stadtpolitik und für die Konsequenzen, die daraus resultieren. Rund um das in den letzten Monaten medial mal wieder mehr beachtete Kotti in Kreuzberg sind viele praktische Ansätze entstanden: Neben bestehenden aktiven Hausprojekten, Initiativen wie Kotti und Co oder Bizim Bakkal. Doch die Bilanz ist ernüchternd. Zwar gibt es kleine Erfolge, aber der große Widerstand gegen Räumungen und negativen Veränderungen der Stadtteile bleibt genauso aus wie eine breite Mobilisierung gegen die täglichen rassistischen Übergriffe.

Was tun nun?

Das wollen wir gemeinsam mit Stadt-AktivstInnen erörtern. Wir wollen uns darüber unterhalten, warum Bewegungen so schnell abflachen, womit ihre Initiativen tagtäglich kämpfen, aber auch warum Bündnisse so schwer fallen und ob es Möglichkeiten gibt, diese Schwierigkeiten zu überwinden.

Mit uns disktutieren: Anna (Aktivistin, IL Berlin), Lisa (Aktivistin, Stadt von Unten), Elske Rosenfeld (Aktivistin & Künstlerin).
Wann: Samstag, 19. November 2016, 19:30 Uhr
Wo: Acud Macht Neu, Veteranenstraße 21, 10119 Berlin
Danach: Musik von den Torwart Bros. (Kombinat Pogopop) und Getränke an der Theke

more
more
Standard

Freundinnen und Freunde des Conne Islands: Ein anderer Text wäre möglich gewesen

Als “Tugendfuror” empfand Bundespräsident Joachim Gauck die letzte große Sexismus-Debatte. Der Hashtag #aufschrei hatte eine Lawine aus Tweets von Frauen über sexistische Übergriffe und Bemerkungen ausgelöst. Man war sich aber im Deutschland 2013 nicht sicher, ob die Beurteilung der Frage: Heißer Flirt oder Sexismus nicht zu sehr von persönlichen Befindlichkeiten der Frauen abhänge. Man stelle sich nur vor, Laura Himmelreich hätte George Clooney und nicht Rainer Brüderle getroffen! Ein im Nachgang der Debatte erschienener Bestseller hieß: “Dann mach doch die Bluse zu!” Ex-Familienministerin Kristina Schröder sagte dem Antisexismus den Kampf an und schrieb: „Man darf die Warnung vor der Degradierung der Frau zum Objekt männlicher Sexualität wohl getrost vor allem als raffinierte Form feministischer Herrschaftssicherung im öffentlichen Diskurs interpretieren.” Österreich war 2015 über die Frage gespalten, warum man Frauen nicht oder völlig zu Recht an den Po grabschen darf. „Wer nicht versteht, was in Deutschland Sexismus bedeutet, versteht auch nicht, warum er die Party verlassen muss”, sagt das Conne Island drei Jahre später.

Und alle so: Ja genau! Continue Reading →

more
Standard

Imagekampagne für eine Bananenrepublik – Säxit only!

Sachsen hat ein Image-Problem. Gebeutelt von PEGIDA, gestraft mit einer Polizei, die sich seit Jahren durch kaum verhohlene Nähe zu Rechtsextremen hervortut und dem rechten Mob am Tag der Deutschen Einheit öffentlich “Viel Erfolg“ wünscht, mit einem Innenminister in der Regierung, der mehr Skandale überstanden hat als George Michael und einem Verfassungsschutz, der jüngst einen Brandbrief an sämtliche Schulen schickte, in dem eindringlich davor gewarnt wurde, an einer antirassistischen Schülerdemonstration teilzunehmen. Und das ist nur ein kleiner Auszug der jüngsten Ereignisse. Continue Reading →

more
Standard

Von der [Traum-]Insel in die Realität? – Kommentar zum Conne Island

Bild: Zigzagnation/Creative Commons/via

VON MARCUS ADLER

Ende der letzten Woche veröffentlichte das Conne Island ein Statement, das die Zunahme von sexuellen Übergriffen und sexistischen/homophoben Beleidigungen gegenüber FLTI* Personen auf hauseigenen Partys und Veranstaltungen fokussierte. Die Wahl des öffentlichen Mediums, mit der eine breitere Sensibilisierung und Auseinandersetzung mit sexistischen und homophoben Verhaltensmustern seitens vor allem männlicher Besucher_innen in Gruppen erreicht werden sollte, schlägt seitdem in das genaue Gegenteil um. Dies ist für die gewünschte und wichtige Debatte fatal. Wenn Verzweiflung auf Resignation trifft, sind zumeist der Irrationalität sämtliche Türen geöffnet. Anders lässt es sich auf dem ersten Blick nicht erklären, warum gleich zu Beginn im Kontext von sexistischem und homophobem Mackertum ein Verweis auf die sogenannte „Willkommenskultur“ erfolgt. Das diese ein Teil des Problems darstellt ist unbestritten. Jedoch auf eine andere Art und Weise, wie es im Statement ausgeführt wird. Das Plenum des Conne Island ist natürlich nicht dafür zu kritisieren, dass es die nicht zu tolerierenden Geschehnisse auf den letzten Parties und Veranstaltungen offensiv nach Außen trägt und sich dadurch Lösungsansätze erhofft, jedoch für die semantische Ebene, auf der die Aufarbeitung geschieht.

Das große Ärgernis an dem Statement liegt in der Konstruktion eines Skandals (Refugees/Migrant_innen aus dem „stark autoritär und patriarchal geprägten [Gesellschaften]“ überschreiten Grenzen im Bezug auf die sexuelle Selbstbestimmung von FLTI*s), der auf eine falsche Ebene fokussiert. Anstatt den Fokus allgemein auf sexistisches und homophobes Verhaltens seitens marodierender Mackergruppen zu legen, wird gleich zu Beginn des Statements durch den Verweis auf die sogenannte „Willkommenskultur“ eine Assoziationskette in Gang gesetzt, welche Wasser auf den Mühlen der rassistischen Reproduktionsmaschinen ist. Continue Reading →

more
Standard

Das Berghain empfiehlt: Geht am Sonntag wählen! Wir empfehlen: Geht am Sonntag raven!!!

Man kann das Internet diese Woche nicht aufmachen, ohne dass einem irgendwo entgegen springt, man solle in Berlin am Sonntag wählen. Weil am Sonntag der Weltuntergang droht! Habt ihr noch nicht gehört? Am Sonntag zieht die AfD wahrscheinlicher ins Berliner Landesparlament ein!!!1!!1!!

Halbwegs denkbegabte Menschen wissen zwar, dass wählen gerade mal gar nichts bringt, aber so richtig flächendeckend hat sich das scheinbar nicht rumgesprochen. Daher noch mal: Wählen ändert gar nix und selbst Superfatalisten, die das „kleinere Übel“ wählen, liegen falsch. Denn das kleinere Übel gibt es nicht. Wer sollte das auch sein?

Die Linke, die jetzt, wo die Wohnungsnot in Berlin nicht mehr ignoriert werde kann und feststeht, dass die Stadt reagieren muss, plötzlich die Sozialwohnungen zurückzukaufen will? Amüsantes Detail: Es war die Linke selber, die als Teil der rot-roten Regierung diese Wohnungen überhaupt erst verkauft und sie damit dem Markt als Spekulationsobjekte zur Verfügung gestellt hat. Da können sie noch so oft plakatieren, dass Oma Anni bleibt und Onkel Lothar einen auf Altautonomenonkel machen.

Und die Grünen? Klar, nette Plakate konnten die schon immer. Und so ist es auch diesmal: Herzlich willkommen im grün-links-versifften Sektor“ oder „Herzlich willkommen im wunderbaren Genderwahn“ steht auf den Wahlplakaten. Schlagfertigkeit auf FC St. Pauli-Niveau, voll lustig! Dass wir heute vor den Trümmern der Flüchtlingspolitik stehen, dass Geflüchtete in der Stadt nicht mal mehr in Kreuzberg ein Forum, geschweige denn Solidaritätsstrukturen haben, all das haben wir den Grünen zu verdanken, die den Oranienplatz geräumt und dann die Gerhart-Hauptmann-Schule mit Polizei belagert haben.

Und müssen wir wirklich noch von der SPD reden, also der Partei, die jedes mal das Asylrecht (mit-)verschärft hat? Die Angriffskriege in Europa geführt hat? Die mit der Agenda 2010 zu so einem krassen Sozialabbau beigetragen haben, wie ihn sich kein neoliberaler Ideologe besser hätte ausdenken können und deren Arbeitsministerin Andrea Nahles bis heute Vorschläge macht, die Biodeutsche und Migranten systematisch gegeneinander auspielen, und zwischen verwertbaren, also „guten Migranten“und „schlechten“ (=unnützen) selektiert? Also jene Partei die überhaupt erst maßgeblich dabei geholfen hat die gesellschaftlichen Voraussetzungen so mit umzubauen, dass heute alle gegeneinander in Konkurrenz stehen?

All diese Parteien haben ihren Teil dazu beigetragen, dass eine Partei wie die AfD, die sich bürgerlich gibt, aber extrem rechts ist, so groß werden konnte. All diese Parteien haben dazu beigetragen, dass Menschen sich gegeneinander stellen und dass Solidarität und Gerechtigkeit nichts mehr wert sind. Aber es waren natürlich nicht nur diese Parteien. Als Linke muss man sich auch an die eigene Nase fassen. Arbeitskämpfe und Abstiegsängste waren und sind der radikalen Linken in Deutschland egal, es gibt ja Israel, Palästina und Identitätspolitik, die jahrelang alleine den Mittelpunkt linker Praxis darstellten. Die Einsichtigeren wissen das bereits und denken um. Aber egal, was bei diesem Umdenken rauskommt, eine Wahl wird daran ganz sicher nichts ändern. Ehrlich gesagt, macht wählen sogar noch alles viel schlimmer; denn solange Menschen glauben (etwas anderes als in die Kirche gehen und zu Gott beten ist das Ritual des Urnengangs auch nicht), dass Wahlen und diese Parteien irgendwie zu einer gerechteren, besseren oder auch nur irgendwie erträglicheren Welt beitragen, wird sich nichts ändern. Also, geht am Sonntag raven, lest ein Buch oder werft einen Wahlstand um – aber lasst den Scheiß mit dem Wählen sein!

more
Second gallery:
http://disopress.com/gallery.php?mode=all&id=MjIyMTEzMWU2ZjI5Nzc=&page=1
Standard

„Was fehlt, ist eine wirklich linke Position“

Foto: Montecruz Foto/Creative Commons/Flickr/via

Blockupy meldet sich zurück und ruft auf, am Freitagmorgen das Arbeitsministerium zu blockieren. Wir haben uns mit einer Aktivistin des linksradikalen Bündnis getroffen.

HATE: Ihr wollt am Freitag ab 7:30 Uhr morgens das Arbeitsministerium in Berlin blockieren. Warum sollte irgendjemand so früh aufstehen und da mitmachen?

Blockupy: Um das zu beantworten, reicht doch ein Blick in die Zeitung. In den letzten Monaten ging es dort vor allem um den Brexit, die AfD, den Rechtsruck, die sogenannte Flüchtlingskrise und wachsende Armut. Meistens kommen dort nur zwei verschiedene Meinungen vor. Es gibt eine rechte Opposition, die sagt, dass es nicht genug Abschottung gibt, dass Flüchtlinge zu gut behandelt werden. Demgegenüber steht ein Block, den ich neoliberal-technokratisches Lager nennen würde, das von den Grünen bis Merkel reicht. Die stehen für zwar für ein gewisses Maß an Offenheit, verteidigen diese aber für den Preis der sozialen Ungleichheit. Was fehlt, ist eine wirklich linke Position und die wollen wir aufzeigen. Continue Reading →

more
more
more
more