DIESDAS

„Und deswegen haben wir gesagt: Das wollen wir nicht.“

Bild: Screenshot via Youtube

Karl-Heinz Dellwo nahm an den Hausbesetzungen Anfang der 70er in der Hamburger Ekhofstraße teil, schloss sich Anfang der 70er dem bewaffneten Kampf der RAF an, musste als Folge Ende der 70er eine lange Haftstrafe antreten und gründete nach seiner Entlassung unter anderem den Laika Verlag. Man kann Dellwo getrost als den klarsten und brillantesten Denker der Gruppe bezeichnen, der sich von der gewalttätigen Vergangenheit, im Kontext des Scheiterns der RAF, ausdrücklich distanziert hat, dabei jedoch nie die notwendige Überwindung der Verhältnisse in Frage stellte und stellt, wie das sehenswerte Interview von Michael Krons beweist:

„Ich glaube dass es in der Zeit ab Mitte der 60er Jahre einen Modernisierungsschub in der Gesellschaft gab, da haben wir, die wir politisch fahren, verstanden, da geht der Kapitalismus aus diesem 8-Stunden-Tag heraus und unterwirft sukzessive alle Lebensbereiche der Verwertung. (…) Wir haben gemerkt, wir werden unter diesen Verhältnissen so angepasst, dass wir uns selbst verlieren oder es kommt zu dem, was ich heute konstatiere, mit jemandem wie Passolini, der das vielleicht genauer gesagt hat, als ich das in der Lage bin zu sagen, dass die Leute dazu gebracht werden, dass man früher eine äußere Repressionsstruktur hat und heute werden die Leute so konditioniert, dass sie sich freiwillig der Verwertung unterwerfen. (…) Damals hat es noch große Kollektive gegeben. Heute finden sie den Menschen vereinzelt und alleine und individualisiert – auch entwaffnet von allem – in der Gesellschaft vor. Das haben wir damals geahnt und dazu ein Bewusstsein entwickelt. Und deswegen haben wir gesagt: das wollen wir nicht.“

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