Politik

23 Jahre nach den rassistischen Morden von Mölln

In der Nacht auf den 23. November 1992 warfen die beiden Nazis Michael Peters und Lars Christiansen in Mölln Brandsätze auf zwei Häusern in denen nichtbiodeutsche Familien wohnten und ermordeten die beiden Mädchen Yeliz Arslan und Ayşe Yılmaz und deren Oma Bahide Arslan.

Michael Peters und Lars Christiansen
(Michael Peters und Lars Christiansen)

sp Dem vorausgegangen waren eine von rechtsaußen bis tief in die Mitte verbreitete Angst vor Geflüchteten, die durch bürgerliche Medien beständig angefacht wurde. Als Folge des monatelangen Schürens dieser Ängste und durch Agitation örtlicher Naziskins, folgte mit den Morden die Praxis. Der Umgang der Möllner Bürger und Politiker – nach und mit den Morden – war und ist geprägt von Ignoranz gegenüber den Hinterbliebenen und Überlebenden, latenter Xenophobie und der Pflege des aufrechten Deutschtums, inklusive aller Ressentiments, die der alltägliche bürgerliche Rassismus eben so produziert:

Doch direkt nach den Anschlägen 1992 war vielen MöllnerInnen klar: Das kann nur ein Anschlag aus dem Milieu sein – obwohl sich die Täter bei beiden Anschlägen am Telefon politisch zu erkennen geben: »In der Ratzeburger Straße brennt es. Sieg Heil!« und kurze Zeit später: »In der Mühlenstraße brennt es. Sieg Heil!« Für viele MöllnerInnen passt das nicht zusammen. Die Arslans wollen nicht so recht in das Bild passen, das man von Opfern hat. Sie sind nicht leise, sie vergeben nicht, sie finden auch heute keine guten Worte für diese Stadt, in der ihre Angehörigen von Nazis ermordet wurden. Das Verhältnis ist schwierig – bis heute. Das Wort »Personalityshow« fällt bei Gesprächen, wenn es um die Familie Arslan geht.

(aus der ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 577 / 16.11.2012)

Zum 23. Jahrestag der Morde hat in diesem Jahr hat Argyris Sfountouris die hörenswerte Möllner Rede im Exil gehalten. Sfountouris kämpft als Überlebender des SS-Massakers im griechischen Distomo am 10. Juni 1944, bei dem u.a. seine Eltern und dreißig Familienangehörigen ermordet wurden, bis heute um Anerkennung und Entschädigung durch die Bundesrepublik Deutschland. Seine Rede kann hier angehört werden: freie-radios.net

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