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Interview: Henrike Naumann und The Museum of Trance

Henrike Naumann setzt sich in ihren Kunstprojekten seit jeher mit den Themen Radikalisierung und Subkulturen auseinander – sei es der NSU in „Triangular Stories“, der Pop-Dschihad (mit dem sie auch beim Hate-Kongress in diesem Frühjahr dabei war) oder jetzt eben die Trance-Kultur.

Gemeinsam mit ihrem Partner-in-Crime, dem Musiker Bastian Hagedorn, möchte sie „The Museum of Trance“ bei der Ghetto-Biennale auf Haiti errichten. Was das sein soll, warum die beiden dafür noch Kohle (via Kickstarter-Kampagne) brauchen und was am Freitag Abend beim Auftakt-Event passieren wird, hat sie uns im Interview erzählt.

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Foto: Inga Selck

HATE: Henrike, Ihr nehmt an der Ghetto Biennale in Haiti teil. Was genau ist das?

Henrike Naumann: Die Ghetto Biennale ist zuallererst einmal eine Behauptung. Die Behauptung, im Slum von Port-au-Prince zu sagen ‚Hier ist jetzt eine Biennale.‘ Und dann passiert da etwas. Internationale Künstler_innen kommen für einen Monat nach Haiti und arbeiten mit den haitianischen Künstler_innen an einer großen gemeinsamen Ausstellung. Ich finde die Idee der Biennale großartig, weil es internationale Aufmerksamkeit auf ein Land lenkt, welches die meisten nur aus Katastrophenberichten kennen. Und weil gerade in einem Land, das von Hunger, Tod und Katastrophen gezeichnet ist, Kunst und Musik eine unheimlich große Bedeutung für die Menschen haben.

Und was habt ihr dort vor?

Wir eröffnen das „Museum of Trance“, welches sich aus ethnografischer Sicht mit der Geschichte der deutschen Trance-Bewegung der 90er beschäftigt. Inspiriert haben uns ethnologische Ausstellungen über „haitianischen Vodou“, wie man sie in Berlin zum Beispiel im Ethnologischen Museum in Dahlem sehen konnte. Wir exotizieren die deutsche Trance-Kultur, stellen sie als ‚the other‘ in Port-au-Prince aus – und geben das Museum frei zur kollaborativen Dekonstruktion durch unsere haitianischen Kolleg_innen. Wie genau das Museum aussehen wird, was genau zur Ghetto Biennale passieren wird – das alles wissen wir nicht. Gerade haben wir erfahren, dass es auf dem Gelände vermutlich nur manchmal Strom geben wird – das „Museum of Trance“ muss also jeden Tag aufs Neue erfunden werden.

Warum Trance?

Das Thema der diesjährigen Ghetto Biennale ist unter anderem Vodou. Beim Vodou-Drumming geraten die Menschen in einen Trance-Zustand. WIr haben überlegt, wo es in unserer Kultur Trance-Zustände gibt. Dann sind wir beim Trance-Rave gelandet, welcher vor allem in Deutschland geprägt wurde. Diesem Umstand wollen wir auf den Grund gehen, und diese zwei Bedeutungsebenen des Begriffes Trance clashen lassen.

Warum die Kickstarter-Kampagne? Warum sollten Leute spenden?

Die Ghetto Biennale hat keinerlei Budget und alle Teilnehmer_innen müssen ihre Arbeiten selbst finanzieren. Das hat uns vor große Schwierigkeiten gestellt. Da der Open Call zur Biennale, auf welchen hin unser Projekt ausgewählt wurde, sehr spät im Jahr war, war es für institutionelle Förderungen vielerorts schon zu spät. Die Deutsche Botschaft Port-au-Prince unterstützt uns beim Museumsbau, und alle logistischen Kosten wie Flug, Unterkunft und Verpflegung zahlen wir selbst. Mit dem Geld aus der Kickstarter-Kampagne können wir technische Ausrüstung kaufen und vor Ort ausleihen, sowie unseren haitianischen Kolleg_innen professionelle Gehälter für ihre Arbeit zahlen.

Was passiert am Freitag?

Das Event am Freitag ist ein Warm-up für das, was in Haiti zur Ghetto Biennale entstehen wird. Es wird eine Installation zu sehen geben, ein Trance-Ritual, mehrere Live-Performances und zuguterletzt mündet die Nacht in die uns allen vertrauten Form des Trancezustandes – einem langen, harten Rave. Es wird keinen Kartenverkauf an dem Abend geben. Um am Event teilnehmen zu können muss man also rechtzeitig 10 € spenden und damit auf die Gästeliste kommen. Der Platz ist begrenzt, deswegen lohnt es, sich schnell einen Platz zu sichern.

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Foto: Inga Selck

Wer seid ihr eigentlich?

Ich bin Video- und Installationskünstlerin. Ich habe ich mich in der Vergangenheit intensiv mit Rechtsextremismus und Radikalisierungsprozessen beschäftigt, mit Fokus auf die Zustände in Deutschland, insbesondere in den neuen Bundesländern, wo ich aufgewachsen bin. In diesem Jahr wurde durch eine Residency in Marokko mein Horizont deutlich gesprengt, ich befasse mich zusätzlich intensiv mit postkolonialen Fragestellungen und den Möglichkeiten von kulturellem Self-Othering. Mein Interesse an der Kultur der 90er Jahre, insbesondere der Rave-Bewegung, ist nach wie vor ungebrochen. Mit dem Musiker Bastian Hagedorn habe ich bei allen meinen vergangen Projekten zusammengearbeitet. Er interessiert sich für sehr viele verschiedene Formen von Musik und ist immer neugierig auf neue Klänge und Ideen. Er hat den deutschen Nintendocore in den 00er Jahren maßgeblich mitgeprägt. Momentan bewegt er sich zwischen Black Metal, Acid und freier Improvisation. „The Museum of Trance“ ist unser erstes gemeinsam entwickeltes Konzept – und dann gleich in full speed!

Danke Henrike!

Am Freitag, den 23. Oktober 2015 findet der Berliner Auftakt zu „The Museum of Trance“ statt. Auf die Liste kommt ihr nur, wenn ihr Kickstarter gespendet habt. Es gibt keine Tickets an der Abendkasse. Weitere Infos gibt es hier.

2 KOMMENTARE
Johnd851

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