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Interview: Laura // Rails Girls

hate: Wer sind die Rails Girls?

Laura: Rails Girls ist eine Gruppe von Freiwilligen, die in Finnland gestartet ist und mittlerweile weltweit funktioniert. An manchen Orten werden einmalig Workshops organisiert, an anderen Orten (wie zum Beispiel in Berlin) veranstalten wir regelmäßig. Grundsätzlich ist es allen Menschen möglich, eine Rails Girls Veranstaltung auf die Beine zu stellen – Support gibt es über eine globale Mailingliste und auf der Webseite. Meistens ist es ein Team aus Leuten, die den Workshop organisieren und ein Team von Coaches, die während des Workshop Hilfestellungen und Erklärungen liefern, damit die Teilnehmerinnen all ihren Wissendurst befriedigen können.

hate: Was genau veranstaltet ihr?

Laura: Wir organisieren kostenlose Workshops für Frauen, die einen Einstieg in die Programmierung von Webanwendungen suchen. Dabei muss man nicht unbedingt mit dem Ziel kommen, professionelle Programmiererin zu werden. Es ist auch einfach spannend, den eigenen Horizont zu erweitern und zu sehen, dass Programmieren keine super kompliziert geheime Sache ist, sondern ein Werkzeug, dass man lernen kann. Genau so, wie eine andere Sprache oder ein Handwerk. Mittlerweile haben wir es geschafft, einen Summer of Code auf zu ziehen. Da werden Teams von jeweils zwei Frauen* drei Monate lang bezahlt, um Vollzeit an einem Open Source Projekt zu programmieren – Coaches und Berater*innen inklusive. Damit ermöglichen wir ehemaligen Workshopteilnehmerinnen, den nächsten Schritt in Richtung Berufswechsel zu gehen, und gleichzeitig in die Open Source Community zu wachsen. Für dieses Jahr sind schon elf Teams finanziert woren, spenden dafür kann man hier.

hate: Was ist euer Ziel?

Laura: Die Beweggründe sind vermutlich von Person zu Person verschieden. Grundsätzlich geht es darum, mehr Frauen in die IT zu bringen, zum Beispiel als Programmiererinnen. Gleichzeitig können wir aber auch dafür sorgen, dass Technik und Computer weniger als ein männliches Feld verstanden werden. Wir können der Programmierung den Anschein von Magie nehmen und damit mehr Menschen auf die Idee bringen, etwas in dem Bereich zu lernen. Außerdem schaffen wir allein durch unsere Aktivitäten natürlich ein gewisses Bewusstsein dafür, dass für eine ausgewogene (Geschlechter-)Diversität in der IT noch einiges passieren muss. Irgendwie bringen wir dann natürlich auch die Leute zusammen, denen dieses Thema am Herzen liegt, die wiederum Diskussionen und Aktionen anstoßen können. Und das führt zum Beispiel in der Ruby Community dazu, dass immer mehr Leute auf das Thema aufmerksam werden und aktiv werden.

hate: Warum sollte ich gleich heute anfangen, zu programmieren?

Laura: Weil du es kannst! Das Internet bietet eine Menge an sehr guten interaktiven Tutorials für Anfänger*innen, sodass du jederzeit alleine loslegen kannst. In Berlin gibt es jedoch auch eine Menge Lerngruppen und Workshops, falls dir alleine die Motivation fehlt oder du einfach besser mit anderen zusammen lernst. Rails Girls Lerngruppen findest du unter www.rorganize.it
Abgesehen davon kann mensch natürlich mit ein bisschen mehr technischem Wissen einiges auf die Beine stellen: Die eigene Website programmieren, aber auch Kommunikationsplattformen schaffen oder so etwas Tolles machen wie die SpeakerinnenListe. Die ist übrigens auch aus einer Rails Girls Lerngruppe entstanden.

hate: Du hast auf dem Kongress der Möglichkeiten einen Workshop über die Basics des Computings angeboten. Was hast du da genau gemacht?

Laura: Der Workshop hat einen groben historischen Überblick über Computer gegeben und an den passenden Stellen praktische Übungen untergebracht. Angefangen bei Ada Lovelace und der Analytical Engine über die Frauen, die den ENIAC programmierten. An der Stelle haben wir uns dann angeschaut, warum Computer anfangs so groß wie Schränke waren oder ganze Räume einnahmen und was es eigentlich mit den Lochkarten auf sich hatte. Dann gab es einen Einblick in das binäre Zahlensystem, um zu verstehen, dass Computer letztendlich nur Einsen und Nullen ausführen können. Daraufhin haben wir Grace Hopper kennengelernt, die eine der ersten Programmiersprachen entwickelte, die der natürlichen Sprache näher kommt (COBOL) und dafür auch einen Compiler schrieb (der die Befehle, die wir Menschen uns eben besser merken können, für den Computer in Einsen und Nullen übersetzt). Zu guter letzt haben wir dann noch ein paar Sachen mit dem Terminal gemacht und lauter kluge Fragen beantwortet.

hate: Wo kann man euch noch treffen?

Laura: Viele von uns gehen regelmäßig zu der Ruby User Group. Das ist ein monatliches Event der Menschen in Berlin, die mit der Programmiersprache Ruby arbeiten oder spielen. Dort gibt es immer spannende Vorträge und viele davon sind auch Einsteiger*innen-freundlich. Einige der Menschen aus dem Rails Girls Berlin Orga-Team sind auch in anderen tollen Projekten involviert, zum Beispiel einen Festival von und für Queer_Trans*_Inter* Black und People of Color, einer Programmierkonferenz (eurucamp.org) und anderen Hackathons.