Politik

Die FAZ über G20 – Fakenews für die radikale Mitte

Auf das Ereignis folgt die Einordnung, das ist auch im Nachgang des G20-Gipfels so. Vor allem die Ausschreitungen lassen den deutschen Bürger und große Teile der Medien schäumen. Von Bürgerkriegsverhältnissen über „Reichskristallnacht“-Vergleiche bis zum Holocaust reicht die Palette, besonders die FAZ hat sich in ihrer Berichterstattung mit extra alarmistischen Schoten hervorgetan, das absolute Highlight ist aber der Artikel Wer in Hamburg wirklich versagt hat von Mathias Müller von Blumencron, dem „Chefredakteur digitale Produkte“. Was dessen Expertise bei der Einordnung des G20 und den Protesten ist, bleibt unklar, aber vielleicht ist sein Name bei der Redaktionskonferenz im Rahmen der Kommentartombola gezogen worden und da hat er einfach mal ganz viele Sachen, die völliger Quatsch sind runtergeschrieben. Hier sind beispielhaft die ersten Sätze seziert, der Text geht auf diesem Niveau immer so weiter bis er in der obligatorischen Links-Rechts-Gleichsetzerei in Kombination mit der unvermeidlichen Pathologisierung endet: „Wer so redet, ist mit Argumenten für die gegenwärtige Verfasstheit der westlichen Welt nicht mehr zu erreichen.“
Journalistisch bewegt sich dieser Kommentar schon fast auf dem Niveau von Fakenews, die empörungsgeleitete Boulevardisierung von Ereignissen ist offenbar endgültig bei der FAZ angekommen:

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Früher war vielleicht doch einiges besser oder warum Leipzig nicht das neue Berlin ist

Es ist müßig bis öde sich als mittelalter Mensch an eine zurückliegende Zeit zu erinnern und das verklärte Früher mit dem Heute abzugleichen, nur um dann zu dem Schluss zu kommen, dass damals alles besser war. Vor allem „niemand bei Verstand“ tut das, wie die neoliberale „Urbanistin“ Ulrike Heringer erkannt zu haben meint. Schon als ich 2002 zum Studieren nach Berlin gezogen war, haben mich Menschen, die bereits fünf bis zehn Jahre im dortigen Nachtleben unterwegs gewesen waren, immer hart genervt mit ihrem Gerede davon, wie gut doch alles mal war – früher. Vor allem retrospektiv betrachtet kann man ihre Worte als völligen Unsinn entlarven, denn zu dieser Zeit begann in Berlin nicht weniger als die Renaissance der heute omnipräsenten, damals bis auf Ausnahmen eher verpönten Techno- und Clubkultur, die sich aktuell in der komplett durchkapitalisierten Form als EDM bezeichnet und elektronische Tanzmusik meint. Wie auch immer: Eine Wiedergeburt ist am End fast so gut wie eine Geburt und hundert Mal besser als die Zeit dazwischen.

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Politik

Der 1. Mai in Kreuzberg war ein Elend, Zeit mal Pause zu machen und sich neu zu erfinden!

Einen Tag vor dem 1. Mai hatte ich mittags noch beim ehrenhaften Pufferimbiss am Hermannplatz einen Eierpfannekuchen gegessen und war dabei mit einem älteren Herren aus dem Kiez ins Gespräch gekommen, der meiner Einschätzung nach, weder mit linker Politik noch mit der Gewinnerseite des Neoliberalismus‘ sonderlich viel zu tun hat. Nachdem wir uns gemeinsam über die Preise auf den Maientagen (Karussellfahrt 4 Euro) aufgeregt und die Wetteraussichten (schlecht) durchgekaut hatten, kam er kurz und knackig auf die Historie des folgenden Kreuzberger Feiertags zu sprechen: 

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Von der Utopie zur Bausünde: Filmvorführung „Palast“ & Diskussion über den sozialen Wohnungsbau in Berlin

Vorführung des Dokumentarfilms Palast über den Sozialpalast in der Pallasstraße und Gespräch mit dem Regisseur Julian Vogel

Ein alter Mann will die Frau erobern, die seine Wohnung reinigt.
Ein Architekt wollte an das Gute im Menschen glauben.
Eine Mutter liebt ihren Sohn, auch wenn er ins Gefängnis muss.
Ein Junge teilt ein Zimmer mit seinen Eltern.
Ein Bauherr wollte leicht und schnell finanzieren.
Wo einst im Sportpalast ein Max Schmeling kämpfte und ein Goebbels den totalen Krieg forderte, steht heute eine der größten Wohnanlagen Deutschlands. Fünfhundertvierzehn Wohnungen, über zweitausend Bewohner. Modernes Wohnen. Lange als “Sozialpalast” bekannt, begleiteten Kriminalität, Vandalismus und Drogen seinen Ruf.

Viele Blicke auf einen Ort. Damals und heute, Planer und Bewohner, eine gescheiterte Utopie, eine Maschine zum Wohnen. Ein Film über Zeit und Zufall.

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Warum das linke Abarbeiten am Partypatriotismus Blödsinn ist

Bild: Times/Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Die Europameisterschaft hat begonnen und Teile der deutsche Linken befinden sich im moralischen Vollrausch. Endlich gibt es wieder tägliche Skandale und Schnappatmungsnotwendigkeiten. Nachdem Briten, Russen, OM-Anhänger und Polizei ein Wochenende in Marseille durchrandaliert haben, fand gestern das erste Spiel der deutschen Nationalmannschaft in Lille statt. Und wenn 20.000 Fans einer Mannschaft zusammenkommen, sind natürlich einige extragruselige Exemplare dabei. Für den aufrechten Teutonenantifa ist aber bereits das bloße Event Europameisterschaft eine schlimme Sache. Patriotismus, das lernt man bereits im ersten Semester, wenn es um die kollektive Identität geht, ist nämlich Protonationalismus und Nationalismus mündet (gerade in Deutschland) in industrieller Menschenvernichtung. Logische Forderung: „Nat-jo-na-lismus raus aus den Köpfen KLATSCH KLATSCH KLATSCH KLATSCH KLATSCHKLATSCHKLASCH!“. Die aufrechte Almanlinke, der es niemals differenziert genug zugehen kann, hat für Fußballgroßereignisse daher ein simples Zweiphasenverfahren entwickelt:

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Palast von Julian Vogel im Lichtblick Kino

Am kommenden Samstag zeigt das Lichtblick Kino Julian Vogels Film Palast (OmeU) von Julian Vogel zu sehen. Im Rahmen der 10 Days, 10 “achtung” Films sind sowohl der Regisseur als auch Produzentin Jana Raschke anwesend, berichten im Anschluss vom Entstehungsprozess dieser großartigen Dokumentation über das Pallasseum (Pallas), das zweifelsfrei eines der schönsten Gebäude Berlins ist.

EXBlicks: Palast (OmeU) – in presence of the director Julian Vogel and producer Jana Raschke
21.03., 18 Uhr
Lichtblick-Kino Berlin
Kastanienallee 77

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Blazing Stars in Frankfurt

Blazing Stars ist die Gruppenausstellung der vier Künstler Jochen Stierberger, Béla Feldberg, Max Huckle und unserem Freund des Hauses Dominik Dresel im Korrekt in Frankfurt. Als Freunde des gepflegten Vollbilds bei Book Of Ra erfreut uns der Ort der Ausstellung natürlich besonders!

Geöffnet: 13.02.2016 / 13 – 19 Uhr
Adresse: Korrekt / Mainzer Landstr. 229 / 60326 Frankfurt am Main
Gestern wurde die Eröffnung gefeiert. Dominik Dresel konnte auch dort nicht die Finger von der Kamera lassen und hat dabei unter anderem die lokale Prominenz in Form des Grafen von Niederrad ablichten können:

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Satire im Jahr 2016: Linksdeutsche Wutbürger und Charlie Hebdo

Nazis haben kleine Pimmel, sind voll doof und Rechtschreibung können sie auch nicht. So sieht Satire in Deutschland aus Sicht all jener aus, die auf der richtigen Seite wähnen und natürlich im Sinne der Selbstvergewisserung auch nicht müde werden das zu betonen. Man könnte sie als das linksliberale Wutbürgertum bezeichnen. Sie sind demokratischen Werten verpflichtet und Dank akkurater Schablonen immer auf dem neuesten Stand, z.B. welches Kulturprodukt diese Werte gerade gefährdet. Gerne wird Musik als Highway in die Barbarei diffamiert, neben dem unsäglichen und richtigerweise bekämpften Rechtsrock ist das zum einen Straßenrap. Dieser eigent sich perfekt um lauthals SEXIST!, RASSIST!, NATIONALIST! etc. zu blöken. Um Straßenrap aus der Perspektive des Bildungsbürgers zu karikieren, geht allerdings plumper Rassismus klar! Aber auch weniger elaborierte Rockbands wie Frei.wild und Böhse Onkelz gleicht der linksdeutschen Genussmensch gerne mit den transportierten Inhalten seiner Helden mit den guten Texten ab. Die Koordinaten sind dann Tocotronic oder jene zwischen Autonomem Zentrum und FDP pendelnde Sprachakrobaten mit den guten Texten. Aber auch die ganz eigene Definition von Meinungsfreiheit ist kennzeichnend für dieses Milieu. Die an sich lobenswerte Abneigung gegenüber den Nebenwidersprüche dieser Welt wird durch ein recht eindimensionales Kunst- und Kulturverständnis ergänzt.

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