Politik

Das Berghain empfiehlt: Geht am Sonntag wählen! Wir empfehlen: Geht am Sonntag raven!!!

Man kann das Internet diese Woche nicht aufmachen, ohne dass einem irgendwo entgegen springt, man solle in Berlin am Sonntag wählen. Weil am Sonntag der Weltuntergang droht! Habt ihr noch nicht gehört? Am Sonntag zieht die AfD wahrscheinlicher ins Berliner Landesparlament ein!!!1!!1!!

Halbwegs denkbegabte Menschen wissen zwar, dass wählen gerade mal gar nichts bringt, aber so richtig flächendeckend hat sich das scheinbar nicht rumgesprochen. Daher noch mal: Wählen ändert gar nix und selbst Superfatalisten, die das „kleinere Übel“ wählen, liegen falsch. Denn das kleinere Übel gibt es nicht. Wer sollte das auch sein?

Die Linke, die jetzt, wo die Wohnungsnot in Berlin nicht mehr ignoriert werde kann und feststeht, dass die Stadt reagieren muss, plötzlich die Sozialwohnungen zurückzukaufen will? Amüsantes Detail: Es war die Linke selber, die als Teil der rot-roten Regierung diese Wohnungen überhaupt erst verkauft und sie damit dem Markt als Spekulationsobjekte zur Verfügung gestellt hat. Da können sie noch so oft plakatieren, dass Oma Anni bleibt und Onkel Lothar einen auf Altautonomenonkel machen.

Und die Grünen? Klar, nette Plakate konnten die schon immer. Und so ist es auch diesmal: Herzlich willkommen im grün-links-versifften Sektor“ oder „Herzlich willkommen im wunderbaren Genderwahn“ steht auf den Wahlplakaten. Schlagfertigkeit auf FC St. Pauli-Niveau, voll lustig! Dass wir heute vor den Trümmern der Flüchtlingspolitik stehen, dass Geflüchtete in der Stadt nicht mal mehr in Kreuzberg ein Forum, geschweige denn Solidaritätsstrukturen haben, all das haben wir den Grünen zu verdanken, die den Oranienplatz geräumt und dann die Gerhart-Hauptmann-Schule mit Polizei belagert haben.

Und müssen wir wirklich noch von der SPD reden, also der Partei, die jedes mal das Asylrecht (mit-)verschärft hat? Die Angriffskriege in Europa geführt hat? Die mit der Agenda 2010 zu so einem krassen Sozialabbau beigetragen haben, wie ihn sich kein neoliberaler Ideologe besser hätte ausdenken können und deren Arbeitsministerin Andrea Nahles bis heute Vorschläge macht, die Biodeutsche und Migranten systematisch gegeneinander auspielen, und zwischen verwertbaren, also „guten Migranten“und „schlechten“ (=unnützen) selektiert? Also jene Partei die überhaupt erst maßgeblich dabei geholfen hat die gesellschaftlichen Voraussetzungen so mit umzubauen, dass heute alle gegeneinander in Konkurrenz stehen?

All diese Parteien haben ihren Teil dazu beigetragen, dass eine Partei wie die AfD, die sich bürgerlich gibt, aber extrem rechts ist, so groß werden konnte. All diese Parteien haben dazu beigetragen, dass Menschen sich gegeneinander stellen und dass Solidarität und Gerechtigkeit nichts mehr wert sind. Aber es waren natürlich nicht nur diese Parteien. Als Linke muss man sich auch an die eigene Nase fassen. Arbeitskämpfe und Abstiegsängste waren und sind der radikalen Linken in Deutschland egal, es gibt ja Israel, Palästina und Identitätspolitik, die jahrelang alleine den Mittelpunkt linker Praxis darstellten. Die Einsichtigeren wissen das bereits und denken um. Aber egal, was bei diesem Umdenken rauskommt, eine Wahl wird daran ganz sicher nichts ändern. Ehrlich gesagt, macht wählen sogar noch alles viel schlimmer; denn solange Menschen glauben (etwas anderes als in die Kirche gehen und zu Gott beten ist das Ritual des Urnengangs auch nicht), dass Wahlen und diese Parteien irgendwie zu einer gerechteren, besseren oder auch nur irgendwie erträglicheren Welt beitragen, wird sich nichts ändern. Also, geht am Sonntag raven, lest ein Buch oder werft einen Wahlstand um – aber lasst den Scheiß mit dem Wählen sein!

4 KOMMENTARE
David Perl

Über den Sinngehalt des Wählens kann man durchaus diskutieren, trotzdem handelt es sich um einen der Grundpfeiler demokratischer Gesellschaften (was nicht bedeutet, dass Wählen alleine ausreicht; siehe Dahl). Wäre es nicht durchdachter Qualifikationstests für Wähler einzuführen, statt dem Wähler anzuraten auf das Wählen komplett zu verzichten? Einen Führerschein braucht man ja schließlich auch…

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Horsti

Hey Jonas, hier „FC St. Paul-Niveau“ hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Knutsch

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JONAS GEMPP

Danke, ist geändert! Kussi

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Bekannt

Ich habe gewählt und bin stolz drauf!

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