Bild: Viva Zwei, via Youtube

Erinnert sich noch jemand X-Base? Nachdem der PC Mitte der 90er langsam aber sicher Einzug in die deutschen Haushalte hielt, kam man beim ZDF auf die Idee eine Computerspielesendung ins tägliche Programm zu nehmen.

Bild: Flickr, Pierre Willscheck, modifiziert, CC BY-NC 2.0

Von den Nachwuchsmoderatoren fiel der westdeutschen Vorstadtjugend vor allem ein junger Mann auf, der bei der heißerwarteten Premiere in kurzen Abständen ein sinnloses „HEY, HEY, HEY, HEY, HEY…“ einstreute. Die nächsten Wochen wurde daraufhin von der frisch gestopfte Bong bis zur eigenen Familie recht wahllos alles und jeder mit „HEY, HEY, HEY, HEY, HEY!“ begrüßt. Nach 144 Folgen wurde X-Base eingestellt und Mr. Heyheyheyhey geriet in Vergessenheit bis er Ende der 90er als Niels Ruf plötzlich bei Viva Zwei auftauchte. Als Moderator von Kamikaze interviewte Ruf irgendwelche Promis, besuchte irgendwelche Promiveranstaltungen und war irgendwie frech. Diese Komponenten reichen ja in Deutschland bekanntlich schon, um „Kultstatus“ zu erringen und als Anarcho zu gelten.

Zu diesem Zeitpunkt war Viva 2 der Spartensender für angehende deutsche Bildungsbürger, die mit Mainstream nichts zu tun haben wollten. Wieso Kamikaze halbwegs erfolgreich war und von Menschen, die zumindest drei Gehirnzellen übrig hatten, geschaut oder überhaupt ins Programm genommen wurde, ist retrospektiv gesehen völlig unklar, aber angesichts der allgemeinen Qualität deutscher TV-Produktionen auch nicht weiter überraschend. Aus Mr. Hey-Hey-Hey-Hey-Hey wurde also Niels Ruf und der machte was deutsche Comedians eben so unter Humor verstehen: Auf Schenkelklopferpointen fokussierte Witze über Randgruppen, die von der Mehrheitsgesellschaft ohnehin schon stigmatisiert sind. Platte homophobe Jokes und das sinnlose Kamikätzchen reichten aus, damit Ruf von nun an als anarchischer Bad Boy und Tabubrecher galt.

Dass Niels Ruf aktuell wieder recht präsent ist, wenn man denn eine gewisse Affinität zu boulevardesken Themen hat, liegt unter anderem an seiner Teilnahme bei Deutschland sucht den Diesdastanzirgendwas. Nach einer Probe für die RTL-Show lieferte sich Ruf eine öffentlichkeitswirksamen Prügelei mit Atze Schröder, in deren Anschluss Ruf – wenig überraschend – snitchte und den Kontrahenten danach anzeigte. Doch der Plan, dass sich der kalkulierte Tabubruch in medialer Berichterstattung und damit perspektivisch in neuen Aufträgen niederschlagen würde, ging nicht auf. Für einen egalen Witz über den Tod Roger Ciceros auf Twitter gab es nämlich richtig Ärger:

Es folgte das Absehbare: Empörung aller Orten und Managementkündigung. Man könnte Niels Ruf als gescheiterten TV-Dino getrost ignorieren, wenn er nicht sinnbildlich für eine deutsche Humorkultur stünde, die mit einer Witzblaupause das ganze Comedian-Leben mal mehr (Mario Barth) mal weniger (Niels Ruf) erfolgreich bestreitet. Bereits 2009 schrieb Quotenmeter recht treffend:

Die Show hinterließt den Moderator Nils Ruf, der nach dem Ende seiner VIVA-Karriere auf eine eingestellte Late-Night-Show in Sat.1, eine vorzeitig abgesetzte Comedyserie («Herzog») bei RTL und eine gescheiterte Beziehung mit Anke Engelke zurückblicken kann.

Nun ist Erfolglosigkeit in der kapitalistischen Verwertungsgesellschaft erst mal nichts per se schlimmes. Und auch die Geschichte zeigt: Viele populäre Kulturproduzenten wurden zu Lebzeiten als erfolglose Versager wahrgenommen und erst später zum genialen Genie rezipiert. Bei der Bewertung von Niels Rufs Wirken spielt der Erfolg aber durchaus eine Rolle, denn das durchgängige Schielen nach dem großen Publikum, die immer neuen Anläufe den (aufmerksamkeits-)ökonomischen Status eines Harald Schmidts zu erreichen, erzählen die traurige Geschichte seines Ausbleibens. Das wiederkehrende Motiv des Scheiterns ist der rote Karrierefaden des Niels Ruf. Wie gesagt: Nicht gegen Erfolglosigkeit, wäre da nicht Rufs enervierende Suche nach seinem USP Tabubruch.

Der Tabubruch an sich kann durchaus lustig sein, wenn damit tatsächlich ein Tabu gebrochen wird. Wenn beispielsweise eine Komikerin wie Sara Silverman in den 90ern als Frau im Männer dominierten Comedy-Betrieb durch deftige Wortwahl in Frage stellte wie Frauen zu sprechen hatten und durch deftige Wortwahl und Inhalte Tabus brach, dann ist das lustig. Bei Sarah Silverman stimmt das Gesamtpaket: Brachialen Punchlines, Tabubruch und Spontanität ergeben ein witziges aber nie stumpfes Gesamtkonzept von Humor. Silverman beherrscht ihr Handwerk und als Nebeneffekt hat ihr Tabubruch zumindest punktuell dazu beigetragen Geschlechterrollen zu hinterfragen, Vorurteile oder Stereotype lächerlich zu machen. Niels Rufs hingegen ist ein eindimensionaler Klassenclown, der immer nur auf Schwächere runtertritt, also das Gegenteil von Silverman. Angefangen mit der misogynen Übergriffigkeit auf das Kamikätzchen, waren und sind es Transen, Schwule, Kranke auf deren Kosten Ruf Witze machte und macht. Daher ist es wenig verwunderlich, dass die politische Unkorrektheit Rufs mit einem reaktionären Weltbild einhergeht, das sich auch bei der Bewertung aktueller Ereignisse, konsequent in platter Pegida-Sprech ausdrückt:

Der Islam hat es dem Kartoffel-Pirincci angetan:

Niels Ruf ist der Typ westdeutscher Kleinstadtbully, der mit dem Habitus des unverletzlichen Lehrersohns schüchterne Mädchen in der Klasse bloßstellt, gebrochen deutsche sprechende Klassenkameraden nachäfft und anders wirkende Jungs mit nasaler Stimme als Schwuchteln diffamiert, ein Bruder im Geiste von Mario Barth, Pegida und Andreas Gabalier, eine typisch deutsche TV-Biografie eines typischen deutschen Unsympathen. Bleibt zu hoffen, dass man zukünftig von seiner dümmlichen Durchschnittlichkeit verschont bleibt. Bitte lösch dich Niels Ruf!

9 KOMMENTARE
Basti

Niels Ruf ist wie Parker Lewis eine coole Sau! Was ist das denn für ein Artikel?!

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John Doe

Witzig dass dieser Artikel in einem „Magazin“ erscheint, das genauso belanglos ist wie der Artikel es jemandem anderen vorwirft. Schön auf den Wagen aufgesprungen. Dürft Euch ein Fleisssternchen auf den Popo kleben.

Bitte lösch Dich, Hate-Mag.

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richard trk

Busta Rhymes bei Kamikaze war super. Aber halt trotz Niels Ruf, nicht wegen ihm.

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thin waycube

„john doe“ = niels ruf
„basti“ = parker lewis oder niels rufs mama

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Leven Sigsauer

Schwächere = Frauen? DAS ist sexistisch. Ansonsten wirkt das hier 1 bißchen, als hättest du die Ironie (Übertreibung macht anschaulich, you know?) nicht verstanden. Du lässt auch Rufs Rolle als talentierter Vorreiter der Bfranche (Joko & Klass, Böhmermann, etc), der seiner Zeit um Jahrzehnte voraus war völlig außer 8. Bin kein Fanboy und finde nicht alles gelungen, aber dass du dich hier in die spießbürgerliche Empörung der SPringerpresse einreihst, ist peinlich 🙁

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JONAS GEMPP

Gott, bist du dumm

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Spastikus Retardus

Niels ist ein niedrigleveliger Edgelord, nur macht dies den Artikel nicht besser.

HATE.Mag wird etzadla SJW. Löscht euch

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