DIESDAS

Interview: Junge Panke feiert 50 Jahre Mao-Bibel im about blank

Bild: Flickr/Creative Commons/Mo Riza/https://flic.kr/p/4iHRPN

Die Junge Panke lädt am Donnerstag Abend zu „50 Jahre Mao-Bibel“ ins about blank ein. Warum, wieso und weshalb das heute noch interessant ist, haben wir den Veranstalter Fabian Kunow gefragt.

HATE: Ihr feiert am Donnerstag den 50. Geburtstag der Mao-Bibel. Warum findet Ihr es wichtig, eine Veranstaltung dazu zu machen?
Fabian Kunow: Die Junge Panke beschäftigt sich mit linker Kritik, mit ihrer Geschichte und auch mit den Weggabelungen, an denen sich Denkweisen verändert haben. Da ist die Mao-Bibel als Dokument des Bruchs in der Bewegung sehr interessant. In den 70er Jahren war der Maoismus in der europäischen Linken wichtig und dominant, doch ist dann auch relativ schnell vorübergegangen. Wir wollen die Frage stellen, warum das so war, denn „ein Kommunist darf auf keinen Fall rechthaberisch und arrogant sein und glauben, dass bei ihm alles gut und bei anderen alles schlecht sei“. Das war übrigens ein Mao-Zitat!

HATE: Sollte man nochmal in die Mao-Bibel reinschauen? Steht vielleicht sogar ein Neo-Maoismus bevor?
Kunow: Das glaube ich nicht. Ich finde an der Mao-Bibel und der Kulturrevolution die Rezeption viel spannender als das, was letztendlich in diesem Büchlein drin steht. Das sind ja nur viele kleine Weisheiten. Interessanter ist doch die Frage, warum so viele Linke in Westeuropa, aber auch in der damaligen, sogenannten „3. Welt“ – vom Philosophen Michel Foucault über Künstler und Fußballer wie Paul Breitner bis hin zu den Militanten der Stadtguerilla – sich damals auf Mao bezogen haben. Ohne maoistische K-Gruppen gäbe es sicherlich keine Grüne Partei. Es geht uns also nicht darum einen Neomaoismus ins Leben zu rufen, sondern linksradikales Denken früher Generationen von Aktivist_innen nachzuvollziehen. Auch wenn vieles davon aus heutiger Perspektive total verrückt ist, ist es Teil unserer Ideengeschichte. Der Maoismus gehört zur Vielfalt des sozialistischen Denkens. Vieles von dem dem, was im China von Mao passierte, ist abscheulich und kritikwürdig. Trotzdem hatten „Die Worte des großen Vorsitzenden“, so der eigentliche Titel der Mao-Bibel, ja eine enorme Strahlkraft.

HATE: Warum war das so?
Kunow: Der Maoismus war eine Gegenbewegung. Man hatte in den 70er-Jahren verstanden, dass die Sowjetunion nicht der ultimative Verbündete sein kann und auch, dass das sowjetische Modell nicht unbedingt nachahmenswert ist. Teile der europäischen Linke hatten kapiert, dass eine fortschrittliche Gesellschaft nicht einfach nur durch den Austausch der Eliten herbeigeführt werden kann und da taugte natürlich die Kulturrevolution als Vorbild. Der Maoismus wurde als Schablone für die antikolonialen Kämpfe in Vietnam oder Afrika verwendet. Sicherlich war da auch vieles Projektion oder es ging um Abgrenzung zu den legalistischen kommunistischen Parteien in Westeuropa, die nicht mehr auf Revolution, sondern auf den parlamentarischen Weg gesetzt hatten, den sogenannten Eurokommunismus.

HATE: Wen habt ihr denn eingeladen?
Kunow: Zunächst wird Felix Wemheuer sprechen. Wemheuser ist Professor für Sinologie an der Uni Köln und beschäftigt sich viel mit dem heutigen China, aber auch mit dem Maoismus und der Rezeption Chinas in anderen Ländern. Dazu haben wir noch Thomas Ebermann eingeladen, weil er eine relativ typische, deutsche Maoisten-Biografie hat. Er war Mitglied in einer K-Gruppe und wollte als grünes Gründungsmitglied die deutsche Parteienlandschaft verändert, aber im Gegensatz zu anderen Ex-Maoisten hat Ebermann eben nicht Karriere gemacht, sondern ist ausgetreten und kritisiert weiterhin von außen. Er ist ein interessanter Zeitzeuge.

HATE: Wird es auch um China heute gehen?
Kunow: Maximal am Rande. Ich finde China zwar interessant, weil dort die neoliberale Grundannahme, dass der Staat kann keinen gesellschaftlichen und vor allem ökonomischen Fortschritt organisieren kann, als Lüge entlarvt wird. Wir wollen uns am Donnerstag Abend im „about blank“ vor allem der geschichtlichen und kulturellen Aufarbeitung des Maoismus widmen und uns selber sowieso hoffentlich vielen Interessierten einen kleinen Einblick in ein nahezu verschwundenes Thema geben.

„50 Jahre „Mao-Bibel“ – Ein Abend zu Kulturrevolution und Maoismus“ findet am Donnerstag (26.11.) im about blank in Berlin-Friedrichshain statt. Weitere Infos gibt es hier und hier.

EIN KOMMENTAR
StaatsfeindNr.1

Ein wahrer Menschenfreund dieser Mao! Den Vergleich mit Hitler kann man sich glaube ich sparen! Wobei, ist dann diese Mao Bibel wie „Mein Kampf“ einzustufen? Ironie?

ANTWORTEN

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.