Eigentlich waren sich alle irgendwie einig, übereinstimmende Ziele zu verfolgen: nämlich die baldige Weltrevolution. Und eigentlich waren sich auch alle darüber einig: es braucht mehr Solidarität mit streikenden Lokführern, mit Flüchtlingen, mit dem Nachbarn und es braucht mehr gemeinsame Plattformen. Nina Scholz hat Dienstagabend die Diskussionsrunde „Politische Interventionen jenseits der kommunistischen Utopie“ moderiert. Mit dabei waren der Schriftsteller Raul Zelik, die Künstlerin und Aktivistin Marina Naprushkina, Autor und Aktivist Marcus Staiger und Jan Schlemermeyer als Vertreter für das Bündnis Ums Ganze. Schnaps gab es übrigens auch. Vielleicht lag es daran, dass sich fast alle fast immer einig waren.

Hier sind unsere liebsten Zitate des Abends, zwischen Analyse, Kritik und Gruppentherapie. Und immer mit dem Versuch der Moderatorin, die Metaebene zu verlassen und klare Handlungsschritte aus den Diskutanten zu pressen. Den prägnantesten formulierte letzlich Jan Schlemermeyer so:

„Die Frage wird sein, wie wir uns im Alltag organisieren.“

Und so ging es weiter:

Zelik: „Radikale Demokratisierung ist das Projekt.“

Naprushkina: „Leider ist es nicht immer möglich, ohne die Politik zu arbeiten.“

Staiger: „Wir haben gute Argumente, deswegen sind wir doch Linke.“

Schlemermeyer: „Dieser unheimliche Ernst mit dem früher linke Politik gemacht wurde, den kauft einem ja auch irgendwie keiner mehr so richtig ab. Zu recht.“

Zelik: „Das menschliche Dasein ist von Schwäche geprägt und deswegen braucht es die Care Ökonomie, die Ökonomie und auch die Ethik des gegenseitigen Sorgens. Das ist immer mit Verpflichtung verbunden. Deswegen ist diese Vorstellung, dass wir freie Individuen sind, was uns der Liberalismus seit 300 Jahren aus seiner soziophoben Vorstellung vermittelt, eine soziophobe Dystopie, eine dunkle Utopie. Ich glaube, die Grundlage der Freiheit ist, dass soziale Grundsachen für alle zur Verfügung stehen und das beruht auf verpflichtenden Verbindungen zwischen den Menschen.“

Staiger: „Also ich arbeite gerade im Ritz-Carlton, da hängen an der Toilette so kleine Schilder: The loser says it´s impossible cause it´s difficult, the winner says it´s difficult but it´s possible. Das steht direkt vor dem Pissoir. Das ist Propaganda.“

Schlemermeyer: „Ich glaube, dass ist einer der wesentlichen Punkte warum es im Herzen der Bestie nach wie vor so ruhig ist: Ich meine, die Leute sind ja alle unzufrieden, aber sie haben alle das Mittelmeer vor Augen und denken: uns geht’s doch relativ gut.“

Staiger: „Ich finde das Liedgut der Arbeiterbewegung eigentlich total toll, die Texte müssten halt gegendered werden.“

Scholz: „Wir brauchen mehr Schnaps.“

Staiger: „The winner says it´s possible.“

Scholz: „Wo stand das, im Ritz?“

Aus dem Publikum: „Wahrscheinlich nur auf der Männertoilette.“