Am Montagabend erklärte der Künstler Aram Bartholl „seine“ Dead Drops – in Häuserwänden oder anderen Ecken und Nischen der urbanen Landschaft installierte USB-Sticks, auf denen Menschen anonym und peer to peer Daten deponieren und verteilen können. Mittlerweile wurden weltweit schon über 1.500 Datenträger mit insgesamt circa 10.140 GB Speichervolumen im öffentlichen Raum implementiert, auf einer Karte werden die neuen Standorte permanent ergänzt.

In einer Zeit, in der all unsere virtuellen Informationen in großen Clouds gespeichert und ausgewertet werden, müssten wir uns Gedanken darüber machen, wie wir unsere Daten in Umlauf bringen. So etwa steht es auf der Website des zugehörigen Projektes. Wir denken unsere Bits und Bytes als abstrakte Matrix, die wir bedenkenlos via Browser outsourcen und auf diesem Wege mit www-Titanen teilen. Ein Dead Drop befreit unsere Daten aus der Cloud und macht sie einer (informierten) Öffentlichkeit zugänglich. Ein Dead Drop ermöglicht einen freien Datenaustausch außerhalb der kommerziellen Verwertung. Was man auf den USB-Sticks findet, bleibt (meist) das Geheimnis der unclouded people.

Im Februar dieses Jahres wurde in Köln ein in eine Häuserwand zementierter USB-Stick gefunden, auf dem sich laut Aussagen der Polizei detaillierte Anleitungen zum Bau von Bomben und zur Herstellung diverser Drogen befunden haben sollen. „Welche Irren tun so etwas?“ Der Datenträger wurde entfernt, Bartholls Arbeit fand erneute Erwähnung in der Presse.

Gestern wurde nun das 1969 von William Powell verfasste „Anarchist Cookbook“ (in einer Version von 2000) von Aram Bartholl den denkmalgeschützten Annalen des Kunstraum Bethanien hinzugefügt und in eine Wand einzementiert. Man kann das auch als eine Antwort verstehen.
Von Paula Hanoldt